London II

Der Wecker klingelte. Ich schaute auf und draußen war es noch tiefste Nacht. Also, dachte ich mir, keine Craici-Aufsteh-Time und blieb liegen. Aber meine Eltern sind aufgestanden. Ja richtig, heute war ja ihr London-Tag. Sie brauchten eine Stunde und schon klingelte es. Es war das Taxi, dass sie sich extra gerufen hatten, um am Morgen zum Ostbahnhof zu kommen. Sie knuddelten mich noch mal ganz lieb zum Abschied und dann ging die Tür von außen zu. Jett war es wieder dunkel und meine Eltern waren weg. Ihr sagt euch jetzt bestimmt: “Wow hat der es gut. Der hat sturmfreie Bude.” Aber für eine Party war ich viel zu müde. Ich tapste ins Wohnzimmer und legte mich auf die Couch – und schon war ich wieder eingeschlummert. Ich träumte von einem Garten und einem rehbraunen Hund. Ich kannte ihn nicht. Plötzlich war da ein Geklapper an der Tür zu hören. Ich schaute in Richtung Tür, sah aber nichts. Ich hatte mich sicherlich verhört. Dann ertönte ein liebevolles Craici. Die Stimme gehörte weder meinem Frauchen noch meinem Herrchen. Nina, es war Nina. Ich lief zur Tür. Ich wedelte mit der Rute, denn gleich würde ich Lino wiedersehen und mit dem Auto zur Isar fahren.

Ich bin ganz viel in der Isar geschwommen. Zu viert haben wir an der Isar im Sand und im Gras getobt. Irgendwann sind wir dann auch noch zum Hundplatz in Sauerlach gefahren auf dem Nina arbeitet. Da habe ich mich dann mit einem Hund ein bisschen gefetzt und bin mit ihm zusammen auf die Nebenwiese verbannt worden, um unsere Unklarheiten zu beseitigen. Nach einiger Zeit haben wir uns dann relativ gut verstanden. Jedenfalls kam es zu keinem Streit mehr.

Später sind wir dann alle wieder ins Auto geklettert, um nach Hause zu fahren. Das Auto stoppte und Nina holte uns alle aus dem Auto, aber bei mir zu Hause waren wir nicht. Wir waren bei Nina, da durfte ich ja übernachten.

Ich habe dann gleich mein Futter bekommen. Das war lecker! Auch bei ihr zu Hause haben wir dann noch ganz viel zusammen gespielt. Gähn – ich war dann auch schon ganz schön müde. Meine Decke – wedel! ein Stück zu Hause bei Nina – hatte sie Lino in ihr Wohnzimmer gelegt. Ich habe mich dann ziemlich zufrieden auf meiner Decke zusammengerollt.

Nachts bin ich dann irgendwann wachgeworden und habe das Schlafzimmer gesucht. (Wenn ich nachts wach werde, tapse ich immer auf die Bettseite meines Frauchens, dann hebt sie mich aufs Bett und ich darf unter die mich beschützende Decke kriechen.) Ich war im Schlafzimmer von Nina angelangt, denn zum Glück hat sie alle Türen aufgelassen. Dort erwartete mich bereits eine auf dem Bett stehende und knurrende kleine Hündin. Sie ließ mich unter keinem Umstand auf das Bett. Enttäuscht drehte ich mich nach mehreren Versuchen um, suchte die Küche und ertrank meine Sorgen im Wassernapf. Noch immer nicht ganz glücklich suchte ich Schutz bei Lino und meiner Decke. Ich lag eine ganze Zeit lang wach. Lino hatte von all dem nichts mitbekommen. Der schlief friedlich grinsend auf seinem Platz. Wer weiß, wovon der gerade träumte. Ich stahl mich, als ich es nicht mehr aushielt, wieder leise ins Schlafzimmer. Ha ha Lolita schlief. Ich sprang vorsichtig, auf Samtpfoten, am Fußende auf das Bett. Sie hatte mich nicht bemerkt. Zufrieden und glücklich rollte ich mich auf der Decke zusammen und schlief ein.

Am nächsten Morgen weckte mich Nina, und war ganz überrascht, mich auf Ihrem Bett zu sehen. Alle waren schon wach. Nina schnappte sich Leinen und Leckerli und dann ging es raus zum Isar-Frühschwimmen. Nach einer Menge Spaß und Toberei am und im Wasser, nahmen wir alle im Auto platz. Nina fuhr am Candidplatz hoch zur Tegernseer Landstraße und bog dann irgendwann in die Sintpertstraße ein. Yeah, sie brachte mich nach Hause. Sie holte mich aus dem Auto, legte mir die Leine an, lief über das Grundstück, schloss die Tür unten auf und holte den Fahrstuhl. Mich durchströmte ein unbeschreibliches Glücksgefühl. Wir stiegen in den Fahrstuhl und setzten im 3. OG auf. Nina drückte von innen gegen die Fahrstuhltür, schloss die richtige Wohnungstür auf und nahm mir mein Geschirr ab. Ich stürmte die Wohnung. Keiner im Bad, keiner im Arbeitszimmer und das Wohnzimmer war auch gähnend leer. Dann sah ich die geschlossene Schlafzimmertür. Ich stellte mich auf die Hinterpfoten und kratzte an der Tür, ganz schnell. Und – dann ging die Tür von innen auf und in meiner Augenhöhe hockte mein Frauchen, meine Menschenmama, meine Hundemutter. Und mein Herrchen war auch da, er stand da und beobachtete uns. Sie waren gut aus London zurückgekommen. Ich sprang übermütig aufs Bett – wir waren wieder zusammen.

Leave a Reply